LabVIEW ist in vielen Entwicklungs-, Labor- und Produktionsumgebungen ein zentrales Werkzeug für Messdatenerfassung, Testautomatisierung und industrielle Steuerung. Die grafische Programmiersprache G macht technische Abläufe sichtbar und eignet sich besonders für Teams, die Hardware, Sensorik, Datenanalyse und Benutzeroberflächen in einer Anwendung verbinden müssen.
Begriffserklärung: Was ist LabVIEW?
LabVIEW steht für Laboratory Virtual Instrument Engineering Workbench und ist eine Entwicklungsumgebung für grafische, datenflussorientierte Programmierung. Anwendungen bestehen aus Virtual Instruments, kurz VIs, mit Frontpanel für Bedienung und Anzeige sowie Blockdiagramm für die Programmlogik. Statt textbasiertem Code werden Funktionen, Datenleitungen, Schleifen, Ereignisse und Treiberbausteine visuell verbunden.
LabVIEW Schulungen & Weiterbildungsempfehlungen
Wenn Sie LabVIEW in der Praxis gezielt einsetzen möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Trainings bei www.IT-Schulungen.com. Wir bieten sowohl offene Schulungen in unseren Schulungszentren oder online als auch maßgeschneiderte Firmenseminare mit individuell abgestimmten Inhalten und Terminen. Ausgewählte Seminare zu diesem Thema sind u. a.:
- LabVIEW Grundlagen der Programmierung (2 Tage): Einstieg in die Entwicklungsumgebung, Frontpanel, Blockdiagramm, Datenfluss, Datentypen, SubVIs und Errorhandling. Geeignet für Programmierer, Messtechniker und Hardwareentwickler.
- LabVIEW Programmierung Aufbaukurs 1 (3 Tage): Vertieft Datenstrukturierung, User-Events, Zustandsmaschinen, Fehlermanagement, Modultests, Custom Controls und Build-Spezifikationen für ausführbare Anwendungen.
- LabVIEW Programmierung Aufbaukurs 2 (3 Tage): Fokus auf fortgeschrittenes Programmdesign, parallele Threads, Profiling, Speicherverwaltung, objektorientierte Ansätze, Git-Anbindung und Teamarbeit.
- LabVIEW Datenerfassung für Messtechniker (2 Tage): Praxisnahes Training zu NI-MAX, VISA, DAQmx, Treiberbibliotheken, SCPI, TDMS-Speicherung, Visualisierung und Remote-Steuerung von Messgeräten.
Funktionsweise & technische Hintergründe
LabVIEW folgt dem Datenflussprinzip: Ein Knoten wird ausgeführt, sobald alle benötigten Eingangsdaten verfügbar sind. Dadurch lassen sich parallele Abläufe intuitiv modellieren, etwa gleichzeitige Messwerterfassung, Grenzwertprüfung und Protokollierung. Wichtige Bausteine sind While- und For-Schleifen, Case-Strukturen, Event-Strukturen, Queues, Notifier, State Machines und SubVIs.
Ein typisches Muster für eine Messanwendung sieht konzeptionell so aus:
Initialisiere DAQmx-Task
WHILE Messung aktiv
Lese Kanalwerte
Filtere Signal
Prüfe Grenzwerte
Schreibe Daten in TDMS
Aktualisiere Frontpanel
END
Schließe Task und gib Ressourcen frei
Schnittstellen wie VISA, GPIB, RS232, Ethernet, USB, OPC UA oder DAQmx ermöglichen die Anbindung von Messgeräten, Prüfständen und Steuerungssystemen. Für größere Projekte sind klare VI-Hierarchien, Typdefinitionen, Fehlercluster, Versionsverwaltung und reproduzierbare Build-Prozesse entscheidend.
Anwendungsbeispiele in der Praxis
LabVIEW wird in Prüfständen der Automobilindustrie, in Elektronikvalidierung, Medizintechnik, Forschungslaboren, Luft- und Raumfahrt, Fertigungsautomation und Qualitätssicherung eingesetzt. Typische Szenarien sind Hardware-in-the-Loop-Tests, Dauertests, Sensordatenerfassung, Kalibrierplätze, automatisierte Reportings und Bedienoberflächen für technische Anlagen.
Nutzen und Herausforderungen
Vorteile:
- schnelle Hardwareintegration und Visualisierung
- hohe Produktivität bei Mess- und Prüfanwendungen
- gute Parallelisierung durch Datenflussmodell
- umfangreiche Treiber- und Analysefunktionen
Herausforderungen:
- saubere Architektur wird bei großen Projekten zwingend
- Versionsverwaltung: Da VIs binäre Dateien sind, erfordert das Verfolgen von Änderungen in Systemen wie Git den Einsatz spezieller grafischer Diff-/Merge-Tools (LVCompare).
- Lizenz-, Plattform- und Hardwareabhängigkeiten: Die Umstellung von NI auf reine Abonnement-Modelle sowie die Übernahme durch Emerson erfordern eine langfristige Budgetplanung.
- unstrukturierte Blockdiagramme können schwer wartbar werden
Alternative Lösungen
| Lösung | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|
| LabVIEW | Sehr stark bei Mess-, Test- und Automatisierungssystemen | Proprietäres Ökosystem |
| Python mit PyVISA/NumPy | Flexibel, offen, gut für Datenanalyse | Mehr Eigenaufwand bei GUIs und Hardwareintegration |
| MATLAB/Simulink | Stark für Modellierung, Simulation und Algorithmen | Lizenzkosten, weniger fokussiert auf Prüfstands-GUIs |
| C#/C++ | Hohe Kontrolle und Performance | Höherer Entwicklungsaufwand |
Fazit
LabVIEW verbindet grafische Programmierung, Hardwareanbindung und technische Datenverarbeitung zu einer leistungsfähigen Plattform für Engineering-Teams. Wer skalierbare Anwendungen entwickeln möchte, sollte nicht nur die Bedienung der Umgebung lernen, sondern auch Architektur, Fehlerbehandlung, Tests, Build-Prozesse und Teamentwicklung beherrschen. Eine strukturierte LabVIEW Schulung beschleunigt diesen Kompetenzaufbau deutlich.
FAQs
Welche Vorkenntnisse sind für eine LabVIEW Schulung sinnvoll?
Grundlegendes Programmierverständnis ist hilfreich, zwingend ist es für den Einstieg jedoch nicht. Für Aufbaukurse sollten Datenfluss, SubVIs und grundlegendes Errorhandling bekannt sein.
Ist LabVIEW nur für NI-Hardware geeignet?
Nein. LabVIEW kann über Schnittstellen und Treiber auch viele Drittanbietergeräte anbinden, etwa über VISA, Ethernet, serielle Schnittstellen oder SCPI.
Für wen lohnt sich eine LabVIEW Weiterbildung besonders?
Sie eignet sich für Entwickler, Messtechniker, Prüfstandsingenieure, Laboringenieure und Automatisierungsteams, die robuste Mess-, Steuer- und Testsysteme entwickeln oder warten.
AutorArtikel erstellt: 13.05.2024
Artikel aktualisiert: 26.05.2026



