Laut einer neuen Stanford-Studie wünschen sich viele Beschäftigte Automatisierung für Routinetätigkeiten – aber betonen ihren eigenen Wert bei Kommunikation, Organisation und Führung. Die Forscher:innen zeigen: Nicht alles, was technisch möglich ist, wird auch akzeptiert.U nd menschliche Kompetenzen wie Kommunikation und Organisation werden wertvoller denn je.
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Einleitung
Künstliche Intelligenz wird zunehmend zum aktiven Mitspieler im Arbeitsalltag. Doch welche Aufgaben wollen Beschäftigte überhaupt an KI abgeben? Und wo ist menschliche Beteiligung unverzichtbar? Eine aktuelle Studie der Stanford University beleuchtet diese Fragen differenziert – mit überraschenden Ergebnissen und klaren Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Weiterbildner und IT-Profis.
Hintergrund der Studie
In der Studie „Future of Work with AI Agents: Auditing Automation and Augmentation Potential across the U.S. Workforce“ (Juni 2025) analysierten Stanford-Forschende die Rolle sogenannter KI-Agenten – also Systeme, die mehrstufige Aufgaben automatisiert oder unterstützend übernehmen. Befragt wurden 1.500 Berufstätige in 104 Berufen sowie 52 KI-Expert:innen, wobei 844 konkrete Tätigkeiten auf ihre Automatisierbarkeit geprüft wurden.
Der Analyse wurde eine fünfstufige „Human Agency Scale“ (HAS) zugrunde gelegt, die verschiedene Stufen des Beitrags von KI-Agenten und Menschen zur Aufgabenbewältigung unterscheidet.
Zentrale Erkenntnisse der Studie
Einige zentrale Ergebnisse der Studie sind die folgenden:
- Beschäftigte haben differenzierte Meinungen dazu, für welche Aufgaben sie sich eine Automatisierung durch KI-Agenten wünschen – und für welche nicht.
- Automatisierung wird insbesondere für wenig wertschöpfende, repetitive Tätigkeiten begrüßt, um mehr Zeit für kreative, zwischenmenschliche oder strategische Aufgaben zu gewinnen.
- Beschäftigte präferieren häufig einen höheren eigenen Anteil an der Aufgabenerfüllung, als technisch gesehen notwendig wäre. Sehr oft wünschen sie sich eine gleichberechtigte Arbeitsteilung mit KI-Agenten (HAS-Level H3). Der Wunsch nach menschlicher Führungsrolle ist insbesondere dort ausgeprägt, wo zwischenmenschliche Kommunikation und Fachkompetenz gefragt sind.
- Zwischen den Wünschen der Beschäftigten und den tatsächlichen technischen Möglichkeiten von KI-Agenten besteht ein Spannungsverhältnis. Die Forschenden visualisieren dies in der „Automation Desire-Capability Landscape“ – einem Vier-Zonen-Modell, das Aufgaben wie folgt einteilt:

Abb.: Automation Desire-Capability Landscape
(Bildquelle: Shao et al. 2025, S. 10)
Zone Beschreibung
✅ Grün Hoher Automatisierungswunsch + hohe technische Machbarkeit
❌ Rot Geringer Wunsch, aber hohe Machbarkeit → potenzieller Akzeptanzkonflikt
F&E-Zone Hoher Wunsch, aber derzeit noch geringe Machbarkeit
Niedrige Priorität Geringer Wunsch + geringe technische Reife
Der stille Skill-Shift: Was KI nicht ersetzen kann, wird wertvoller
Einer der eindrücklichsten Befunde stammt aus Figure 7 der Studie:
Je besser eine Fähigkeit durch KI ersetzt werden kann, desto weniger menschliche Beteiligung wird künftig benötigt – und umgekehrt.
▶️ Verlierer-Skills: Informationsverarbeitung, Datenanalyse, Dokumentation – heute oft hoch vergütet, aber technisch gut automatisierbar und daher rückläufig.
▶️ Gewinner-Skills: Zwischenmenschliche, organisatorische und pädagogische Fähigkeiten – aktuell oft geringer vergütet, aber künftig zentral für den Erfolg im Beruf.

Abb. Aktuelle Vergütungsstrukturen und künftige Kompetenzerfordernisse
(Bildquelle: Shao et al. 2025, S. 14)
Die Befragungsergebnisse lassen drei zentrale Trends für die Entwicklung beruflicher Anforderungen erwarten:
- Rückläufige Nachfrage nach aktuell hoch vergüteten Fähigkeiten im Bereich der Informationsverarbeitung.
- Wertsteigerung von Kompetenzen in Kommunikation, Lehre, Organisation und Führung – auch wenn diese aktuell niedriger bezahlt werden.
- Breite Bedeutung menschlicher Beiträge in vielen Aufgabenbereichen, z. B. beim Organisieren, Planen, Anleiten oder Motivieren – gerade dort, wo reine Automatisierung an Grenzen stößt.
Bedeutung für Unternehmen und IT-Professionals
- Technik nicht über die Menschen stülpen: Selbst technisch machbare Automatisierung kann auf Widerstand stoßen, wenn sie ohne Akzeptanz eingeführt wird.
- Skill-Mix überdenken: Interpersonal Skills gewinnen an Wert. Die Förderung dieser Kompetenzen gehört genauso in den Weiterbildungsplan wie Cloud, Security und Data Science.
- Augmentation ist der Königsweg: Dort, wo Mensch und KI gemeinsam stärker sind (HAS H3), entstehen echte Effizienzgewinne.
Fazit: KI nicht gegen, sondern mit den Menschen entwickeln
Die Studie zeigt: KI kann Arbeitsprozesse entlasten – wenn sie bewusst eingesetzt wird. Der Weg in die automatisierte Arbeitswelt führt nicht über technologische Überlegenheit allein, sondern über Vertrauen, Akzeptanz und Kooperation. Wer heute gezielt in KI-Kompetenzen investiert – auf Seiten von Mensch und Maschine –, wird morgen vorne mitspielen.
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Quellenhinweis:
Die in diesem Artikel dargestellten Erkenntnisse basieren auf der Studie “Future of Work with AI Agents” von Shao et al. (Stanford University, 2025). Die Originalveröffentlichung finden Sie hier auf arXiv https://arxiv.org/pdf/2506.06576
AutorArtikel erstellt: 30.06.2025
Artikel aktualisiert: 30.06.2025



