SPS-Programmierung nach IEC 61131-3: Standards, Praxis und Weiterbildung für moderne Automatisierung
Die SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 bildet den methodischen Kern vieler moderner Automatisierungslösungen in Maschinenbau, Fertigung und Prozessindustrie. Der Standard schafft eine gemeinsame Basis für Programmiersprachen, Programmstruktur und Wiederverwendbarkeit – und bleibt damit auch 2026 hochrelevant für Engineering, Wartung und Migration. Besonders wichtig ist: Die aktuelle Ausgabe IEC 61131-3:2025 bestätigt Structured Text, Ladder Diagram und Function Block Diagram als Kernsprachen; die frühere Instruction List ist in der aktuellen Fassung nicht mehr enthalten.
Begriffserklärung: Was ist SPS-Programmierung nach IEC 61131-3?
SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 bezeichnet die Entwicklung von Steuerungssoftware für speicherprogrammierbare Steuerungen auf Basis eines international standardisierten Modells. Der Standard definiert Syntax und Semantik der Sprachen sowie zentrale Strukturierungselemente wie Program Organization Units (POUs), Datentypen und Task-Modelle. Ziel ist nicht völlige Herstellerunabhängigkeit, wohl aber eine gemeinsame technische Sprache für Engineering, Wartbarkeit und Schulung.
Im praktischen IT- und OT-Umfeld ist das relevant, weil industrielle Software heute nicht nur Schaltschränke ansteuert, sondern auch mit HMI, SCADA, MES, OPC-UA-Infrastrukturen und IIoT-Plattformen zusammenspielt. IEC 61131-3 bleibt dabei die zentrale Brücke zwischen klassischer Automatisierung und moderner, softwareorientierter Produktions-IT.
SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 Schulungen & Weiterbildungsempfehlungen
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- Grundlagen der SPS Programmierung nach IEC 61131-3 (2 Tage)
Das Seminar vermittelt ein solides Fundament für die textbasierte SPS-Entwicklung mit CODESYS und Structured Text. Teilnehmende lernen den strukturierten Programmaufbau, Datentypen, Kontrollstrukturen, Funktionen, Funktionsbausteine sowie Test, Simulation und Debugging für wartbare Automatisierungslösungen.
Funktionsweise & technische Hintergründe
Technisch basiert die SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 auf einem zyklischen Ausführungsmodell: Eingänge werden eingelesen, das Anwenderprogramm wird bearbeitet, danach werden Ausgänge geschrieben. Dieses Scan-Prinzip ist für Determinismus und reproduzierbares Verhalten in Echtzeit-nahen Steuerungsaufgaben entscheidend. Programme werden in POUs gegliedert – typischerweise PROGRAM, FUNCTION_BLOCK und FUNCTION. Dadurch lässt sich Logik modular aufbauen und als Instanz wiederverwenden.
Für die eigentliche Implementierung werden je nach Aufgabe unterschiedliche Sprachen genutzt. Ladder Diagram (LD) eignet sich für leicht nachvollziehbare Verriegelungen und elektrotechnisch geprägte Logik. Function Block Diagram (FBD) ist stark bei Signalfluss, Regelungs- und Prozesslogik. Structured Text (ST) spielt seine Vorteile bei Berechnungen, Datenstrukturen, Schleifen und komplexeren Algorithmen aus. Sequential Function Chart (SFC) strukturiert Abläufe in Schritten, Transitionen und Aktionen und ist besonders für sequentielle Maschinenzustände nützlich. Die aktuelle Normausgabe von 2025 führt ST, LD und FBD als Sprachsuite auf; SFC bleibt als ergänzendes grafisches und textliches Strukturierungselement erhalten.
Anwendungsbeispiele in der Praxis
In der Fertigungsautomation steuert IEC-61131-3-Code Förderstrecken, Handling-Systeme oder Verpackungsmaschinen. Im Anlagenbau werden Pumpen, Ventile, Temperatur- und Füllstandsprozesse oft mit Funktionsbausteinen und Timern modelliert. In der Gebäudeautomation lassen sich HLK-Abläufe, Störmeldungen und Energiestrategien standardisiert abbilden. Gerade bei Retrofit-Projekten ist Structured Text häufig die beste Wahl, um ältere Logik sauber zu modernisieren und besser testbar zu machen.
Nutzen und Herausforderungen
Zu den wichtigsten Vorteilen zählen Standardisierung, bessere Lesbarkeit, modulare Wiederverwendung und eine strukturierte Trennung von Programmlogik, Daten und Ablaufsteuerung. Das verbessert Wartbarkeit, Qualitätssicherung und langfristige Skalierbarkeit – besonders in heterogenen Anlagenlandschaften.
Dem stehen typische Herausforderungen gegenüber: Die reale Portabilität zwischen Herstellern ist begrenzt, weil Bibliotheken, Engineering-Werkzeuge und Laufzeitsysteme oft proprietäre Erweiterungen nutzen. Hinzu kommen Anforderungen an deterministisches Verhalten, Testtiefe, sichere Inbetriebnahme und Cybersecurity im OT-Betrieb. Wer sauber entwickeln will, braucht daher Standards plus disziplinierte Coding-Guidelines und praxisnahe Weiterbildung.
Alternative Lösungen
Als Alternativen oder Ergänzungen kommen herstellerspezifische Engineering-Welten, modellbasierte Entwicklung oder Hochsprachenanbindungen etwa für Edge- und Analysefunktionen in Betracht. Für klassische, echtzeitnahe Maschinenlogik bleibt die SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 jedoch meist die robusteste und am breitesten akzeptierte Lösung.
Fazit
SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 ist weit mehr als ein Sprachstandard: Sie ist ein Architektur- und Qualitätsrahmen für industrielle Software. Wer LD, FBD, ST und die strukturierende Rolle von SFC beherrscht, entwickelt wartbare, nachvollziehbare und zukunftsfähige Steuerungsanwendungen. Für Teams, die bestehende Anlagen modernisieren oder neue Automatisierungslösungen aufbauen, bleibt gezielte Schulung zur SPS-Programmierung nach IEC 61131-3 ein klarer Produktivitäts- und Qualitätsfaktor.
AutorArtikel erstellt: 18.03.2026
Artikel aktualisiert: 18.03.2026



