Für viele Organisationen bedeutet das: Bestehende Strukturen müssen frühzeitig analysiert, technische Abhängigkeiten bewertet und ein realistischer Modernisierungsfahrplan entwickelt werden.
Die zwei wichtigsten Termine
- 1. März 2027: Neue klassische Publishing-Sites können nicht mehr erstellt werden. Auch klassische Publishing-Funktionen werden weiter eingeschränkt.
- 1. Oktober 2028: Klassische, von Nutzern erstellte Seiten in bestehenden SharePoint-Online-Tenants werden grundsätzlich schreibgeschützt.
Diese beiden Termine markieren keinen abrupten Plattformwechsel, setzen aber klare Grenzen für den weiteren Betrieb klassischer SharePoint-Strukturen.
2027: Neue klassische Strukturen laufen aus
Ab dem 1. März 2027 können in SharePoint Online keine neuen klassischen Publishing-Sites mehr aufgebaut werden. Auch klassische Publishing-Features lassen sich nicht mehr in der bisherigen Form aktivieren. Für neue Microsoft-365-Tenants gelten zusätzlich stärkere Einschränkungen bei klassischen Seiten und traditionellen Anpassungsmechanismen wie Custom Script.
Damit macht Microsoft deutlich, wohin sich die Plattform entwickelt: Neue Lösungen sollen nicht mehr auf klassischen SharePoint-Architekturen basieren, sondern auf modernen Seiten, modernen Webparts und aktuellen Microsoft-365-Konzepten.
Besonders relevant ist das für Organisationen mit historisch gewachsenen Intranets. Dort finden sich häufig noch Wiki-Seiten, Webpart-Seiten, individuelle Masterpages, eingebettete Skripte oder Erweiterungen aus früheren SharePoint-Generationen. Solche Komponenten lassen sich nicht immer automatisch auf moderne SharePoint-Strukturen übertragen.
Praxisrelevant: Je stärker ein Intranet individuell angepasst wurde, desto wichtiger ist eine frühe technische Bestandsaufnahme.
Gerade bei komplexen Publishing-Portalen kann deshalb eine konzeptionelle Neugestaltung sinnvoller sein als eine reine technische Konvertierung.
2028: Klassische Seiten werden zum Handlungsrisiko
Der zweite zentrale Stichtag ist der 1. Oktober 2028. Ab diesem Zeitpunkt werden klassische, von Nutzern erstellte Seiten in bestehenden SharePoint-Online-Tenants grundsätzlich schreibgeschützt.
Betroffen sein können unter anderem:
- Wiki-Seiten
- Webpart-Seiten
- Blog-Seiten
- klassische Publishing-Seiten
- bestimmte benutzerdefinierte ASPX-Seiten
Wichtig ist dabei die genaue Einordnung: Microsoft löscht diese Inhalte nicht automatisch. Bestehende Seiten bleiben grundsätzlich erreichbar, können jedoch nicht mehr regulär bearbeitet oder weiterentwickelt werden.
Für geschäftskritische Inhalte entsteht dadurch ein klarer Modernisierungsdruck. Unternehmen sollten nicht bis kurz vor 2028 warten, sondern frühzeitig ermitteln, welche klassischen Seiten noch aktiv genutzt werden, welche davon fachlich relevant sind und welche technischen Abhängigkeiten einer Migration im Weg stehen.
Modernisierung ist mehr als Migration
Die zentrale Herausforderung liegt nicht nur in der technischen Konvertierung. Eine erfolgreiche SharePoint-Modernisierung 2027 und 2028 sollte zugleich Informationsarchitektur, Governance und redaktionelle Prozesse berücksichtigen.
Viele ältere Intranets enthalten über Jahre gewachsene Strukturen, doppelte Inhalte, veraltete Navigationen oder Seiten, deren Verantwortlichkeiten längst unklar sind. Eine Modernisierung bietet deshalb die Chance, technische Altlasten zu reduzieren und gleichzeitig die gesamte Informationslandschaft zu vereinfachen.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur:
„Wie migrieren wir diese Seite?“
Sondern ebenso:
„Brauchen wir diese Seite in ihrer heutigen Form überhaupt noch?“
Damit kann aus einer technisch notwendigen Umstellung ein strategisches Modernisierungsprojekt für den gesamten Digital Workplace werden.
Das Zielbild: Modern SharePoint
Das zukünftige Zielbild orientiert sich klar an der Modern SharePoint Experience. Dazu gehören moderne SharePoint Pages, Communication Sites, moderne Team Sites, aktuelle Webparts und eine stärker standardisierte Informationsarchitektur.
Auch individuelle Erweiterungen sollten auf unterstützten Entwicklungsmodellen basieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei das SharePoint Framework (SPFx). Klassische Anpassungen über Masterpages, Alternate CSS oder tiefgreifende Seiteneingriffe verlieren dagegen zunehmend an Bedeutung.
Unternehmen sollten deshalb insbesondere prüfen, ob heute noch folgende Alttechnologien im Einsatz sind:
- individuelle Masterpages
- klassische Publishing-Seitenlayouts
- eingebettete JavaScript-Lösungen
- ältere Drittanbieter-Webparts
- SharePoint-Designer-Anpassungen
- Custom-Script-basierte Lösungen
Je mehr dieser Komponenten vorhanden sind, desto größer kann der Modernisierungsaufwand ausfallen.
Ein sinnvoller Fahrplan bis 2028
Ein pragmatisches Vorgehen beginnt mit einer technischen und fachlichen Inventarisierung. Der SharePoint-Modernisierungsscanner kann dabei unterstützen, klassische Sites und Seiten zu identifizieren und Modernisierungsrisiken sichtbar zu machen.
Darauf aufbauend empfiehlt sich ein Vorgehen in mehreren Wellen:
- Bestand erfassen: Klassische Seiten, Sites, Webparts und Anpassungen identifizieren.
- Relevanz bewerten: Geschäftskritische Inhalte, Nutzungsintensität und technische Blocker priorisieren.
- Pilotieren: Ausgewählte Sites modernisieren und Erfahrungen sammeln.
- Skalieren: Die Migration auf weitere Bereiche ausweiten.
- Bereinigen: Nicht mehr benötigte Inhalte, Altseiten und technische Sonderlösungen zurückbauen.
Ein solches Vorgehen reduziert das Risiko eines hektischen Großprojekts kurz vor dem Stichtag 2028.
Kein Ende von SharePoint Online
Bei der Kommunikation rund um die Änderungen ist Präzision wichtig. Die angekündigten Maßnahmen bedeuten nicht das Ende von SharePoint Online. Microsoft stellt vielmehr bestimmte klassische Technologien und Seitentypen schrittweise zurück.
SharePoint bleibt ein zentraler Bestandteil von Microsoft 365. Verändert wird vor allem die technische Basis, auf der Unternehmen ihre Intranets und Informationsplattformen betreiben.
Der Begriff „SharePoint-Abschaltung“ wäre daher irreführend. Treffender ist es, von einer Modernisierung der SharePoint-Architektur und einer schrittweisen Ausmusterung klassischer Seitentypen zu sprechen.
Fazit
Die Jahre 2027 und 2028 markieren für SharePoint Online eine entscheidende Übergangsphase. Mit dem 1. März 2027 und dem 1. Oktober 2028 hat Microsoft konkrete Stichtage gesetzt, die vor allem Organisationen mit klassischen Publishing-Sites, Wiki-Seiten, Webpart-Seiten und individuellen Anpassungen betreffen.
Unternehmen sollten deshalb jetzt damit beginnen, ihre bestehenden Strukturen zu erfassen, geschäftskritische Inhalte zu priorisieren und einen realistischen Modernisierungsfahrplan aufzubauen.
Die SharePoint-Modernisierung 2027 und 2028 ist damit weit mehr als ein technisches Migrationsprojekt. Sie ist eine Gelegenheit, technische Altlasten abzubauen und zugleich Informationsarchitektur, Governance und Digital-Workplace-Strukturen zukunftsfähig aufzustellen.




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