Eine Studie mit 776 Profis zeigt: KI kann die Leistung Einzelner auf Teamniveau heben, Silos aufbrechen und sogar als sozialer Motivator wirken. Wie cybernetische Teams funktionieren – und warum sie die Zukunft der Wissensarbeit sind. Jetzt im Blog lesen, wie Mensch und KI künftig zusammenarbeiten.
Cybernetische Teams: Mensch und KI im Zusammenspiel
KI ersetzt keine Menschen – sie arbeitet mit ihnen. Eine aktuelle Studie liefert spannende Einblicke, wie Künstliche Intelligenz bereits heute als aktives Teammitglied funktioniert – und welche Chancen das für Unternehmen, Führungskräfte und die Weiterbildung bedeutet.
Was sind cybernetische Teams?
In der Zukunft der Arbeit entstehen sogenannte cybernetische Teams – eine Kombination aus Mensch und KI, die gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Die Idee: KI-gestützte Assistenzsysteme werden nicht nur als Werkzeuge genutzt, sondern übernehmen aktiv Rollen innerhalb von Teams, z. B. zur Ideenfindung, Analyse oder Kommunikation.
Die Studie im Überblick
Forscher:innen um Ethan Mollick und Andrew Hargadon führten ein Feldexperiment mit 776 Fachkräften bei Procter & Gamble durch. Die Teilnehmenden arbeiteten an realen Innovationsaufgaben im Bereich Produktentwicklung und wurden zufällig auf vier Szenarien verteilt:
- mit oder ohne KI,
- alleine oder im Zweierteam.
So konnten die Effekte von KI und Teamarbeit isoliert und kombiniert untersucht werden.
Drei zentrale Erkenntnisse
1. KI macht Einzelne so stark wie Teams
Einzelpersonen, die mit KI arbeiteten, erzielten vergleichbare Ergebnisse wie menschliche Teams ohne KI. Das zeigt: KI kann bestimmte Vorteile von Zusammenarbeit kompensieren, z. B. durch strukturiertes Denken oder Perspektivenvielfalt.
2. KI gleicht Silos aus
Normalerweise liefern F&E-Mitarbeitende eher technische Lösungen, während Marketingfachleute wirtschaftlich denken. Mit KI verschwand dieser Unterschied: Alle entwickelten balancierte, abteilungsübergreifende Lösungsvorschläge.
3. KI motiviert
Teilnehmende mit KI berichteten von positiveren emotionalen Erfahrungen – die Interaktion über Sprache führte zu mehr Motivation und Engagement. KI kann also auch soziale und motivierende Funktionen übernehmen, die sonst menschlichen Kolleg:innen vorbehalten sind.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Die Studie zeigt klar: Der Einsatz von KI verändert nicht nur Arbeitsinhalte, sondern auch die Art der Zusammenarbeit. Daraus ergeben sich konkrete Handlungsfelder:
- Neugestaltung von Teamprozessen: KI kann Teil des Teams werden – nicht nur ein Tool.
- Aufbrechen von Silos: KI fördert interdisziplinäres Denken.
- Steigerung der individuellen Leistungsfähigkeit: Besonders in hybriden Arbeitsformen ein großer Vorteil.
- Neuer Weiterbildungsbedarf: Mitarbeitende müssen lernen, mit KI zu kooperieren, nicht nur sie zu bedienen.
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Fazit
Die Autor:innen formulieren zusammenfassend folgende zentrale Ergebnisse ihrer Studie:
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass KI die Leistung erheblich steigert: Einzelpersonen mit KI erreichten die gleiche Leistung wie Teams ohne KI, was darauf hindeutet, dass KI bestimmte Vorteile der menschlichen Zusammenarbeit effektiv reproduzieren kann.
Darüber hinaus bricht KI funktionale Silos auf. Ohne KI neigten F&E-Fachleute dazu, eher technische Lösungen vorzuschlagen, während kaufmännische Fachkräfte eher kommerziell orientierte Vorschläge machten. Fachleute, die KI einsetzten, entwickelten unabhängig von ihrem beruflichen Hintergrund ausgewogene Lösungen.
Schließlich berichteten die Teilnehmer, dass die sprachbasierte Schnittstelle der KI positivere emotionale Reaktionen bei ihnen auslöste, was darauf hindeutet, dass KI einen Teil der sozialen und motivierenden Rolle übernehmen kann, die traditionell von menschlichen Teammitgliedern übernommen wird. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die breite Einführung von KI in der Wissensarbeit nicht nur die Leistung verändert, sondern auch die Art und Weise, wie sich Fachwissen und soziale Bindungen innerhalb von Teams manifestieren." Dell’Acqua et al. (2025), S. 1
Quelle:
Dell'Acqua, F., Ayoubi, C., Lifshitz, H., Sadun, R., Mollick, E., Mollick, L., . . . Lakhani, K. R. (2025). The cybernetic teammate: A field experiment on generative AI reshaping teamwork and expertise. Harvard Business School Working Paper No. 25-043.
AutorArtikel erstellt: 30.06.2025
Artikel aktualisiert: 25.11.2025



